07/02/2012
Interview zum Schmallenbergvirus
„Die Glocke": Herr Dr. Rose, Sie gehören zu den Gründern der Firma Biogents. Wie bedrohlich ist das Schmallenberg-Virus für die Tierbestände in der Landwirtschaft?Dr. Rose: Das lässt sich noch nicht abschätzen. Viele Fragen können erst im Laufe des Jahres beantwortet werden. Welche Mücken sind die Hauptüberträger? Übersteht das Virus den Winter? Erst wenn darauf Antworten vorliegen, lässt sich abschätzen, wie schnell diese Epidemie gestoppt werden kann.
„Die Glocke": Welche Möglichkeiten kommen in Betracht?
Dr. Rose: 100-prozentige Sicherheit gegen Viren-Erkrankungen bieten nur Impfstoffe, an deren Entwicklung schon gearbeitet wird. Vorbeugend helfen könnte im Bedarfsfall eine Behandlung der Tierbestände mit Insektiziden. Bestimmte Bäderkuren wirken auf Stechmücken und die verwandten blutsaugenden Gnitzen abschreckend bis tödlich. Außerdem können Brutbiotope der Insekten gezielt bekämpft werden. Das könnten zum Beispiel Überschwemmungsflächen, Tümpel oder Feuchtgebiete sein.
„Die Glocke": Welchen Beitrag könnten die von ihrem Unternehmen entwickelten Mückenfallen leisten?
Dr. Rose: Sie dienen vor allem den Virologen und Epidemiologen als Werkzeug. Bei der Ausbreitung der Blauzungenkrankheit haben wir Fallen unter anderem an das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (Anm. Biogents: auch Friederisch-Löffler-Institut genannt) geliefert. Allein in Deutschland gibt es 50 Arten von Stechmücken und fast 200 Gnitzenarten. Um die Ausbreitung einer Krankheit gezielt zu bekämpfen, ist es wichtig, genau zu wissen, welches Insekt verantwortlich ist und wie verbreitet es ist.
„Die Glocke": Zurück zu den Tierkrankheiten. Die Blauzungenkrankheit, von der vor allem Rinder und Schafe betroffen waren, ist durch ein Impfprogramm zurückgedrängt worden. Gibt es Hoffnung, dass das auch beim Schmallenberg-Virus gelingt?
Dr. Rose: Ein Impfstoff wird auch hier der Schlüssel sein. Die nächsten Monate werden aufschlussreich sein. Erwachsene Tiere überstehen eine Infektion mit dem Schmallenberg-Virus offenbar recht gut und sind dann immun. Wenn genügend Tiere eine solche körpereigene Abwehr aufgebaut haben, entwickelt sich daraus eine Herdenimmunität, die die weitere Ausbreitung bremst.
