20/07/2011

"Mit Kohlensäure schnappt die Falle zu"

VON MIRJA GERTCHEN

 

Quelle: Starnberger Merkur, 20.7.2011

 

Landkreis / Starnberger See Regensburger Unternehmen hat mit seiner Methode auch im Fünfseenland Erfolg.

 

Dauerregen, Hochwasser, Mückenplage: Der Sommer 2010 ist den Menschen im Fünfseenland in unangenehmer Erinnerung geblieben. Einer erneuten Invasion der stechenden Plagegeister möchten mehrere Kommunen, allen voran die Gemeinde Berg, vorbeugend begegnen. Der Keule mit dem Bakterium BTI haben die Genehmigungsbehörden einen Riegel vorgeschoben. Das Regensburger Unternehmen Biogents setzt dagegen auf eine innovative und ökologische Fangtechnologie im Kampf gegen Stechmücken. Privatleute und Biergartenbesitzer auch aus unserer Region haben bereits positive Erfahrungen mit der Mückenfalle gemacht.

 

Den Berger Gemeinderäten liegt die Mückenbekämpfung besonders am Herzen. Mehrmals schon haben sie sich im Plenum mit dem Thema befasst. Sie fürchten, dass die Stechmücken vor allem den in Höhenrain gestauten Lüßbach zu einer beliebten Brutstätte erwählen (wir berichteten). Es waren mehrere Ideen im Umlauf. Am häufigsten war der Vorschlag zu hören, BTI (Barcillius thuringiensis israelensis) einzusetzen. Denn dieses Bakterium wurde im vergangenen Jahr am Chiemsee erfolgreich eingesetzt. Jedoch kam es für das Fünfseenland nicht in Frage. Der Grund: Das Bakterium muss großflächig ausgebracht werden, um den erwünschten Effekt zu erzielen. Es greift aber nicht nur die Stechmücken an, sondern schädigt auch harmlose Arten, wie etwa die Zuckmücke. Blieb nur noch die Variante, die Bildung von stehenden Gewässern zu vermeiden, was sich aber in der freien Natur als schwierig erweist, Wassertonnen im eigenen Garten abzudecken oder regelmäßig von Eierschiffchen zu befreien und den Lüßbach regelmäßig zu säubern. Mit diesen Mühen sowie den Einsatz von Chemie und Bakterien kann man der Mückenplage aber nicht vollständig Herr werden, wie die Bewohner des Fünfseenlandes am eigenen Leib erfahren mussten.

 

Eine sinnvolle Alternative beziehungsweise Ergänzung scheint eine Technologie zu bieten, die an der Universität Regensburg entwickelt wurde. Das Unternehmen Biogents schwört auf eine ökologische Mückenfalle namens Mosquitaire Plus!, die Kohlensäure und einen Geruchsstoff einsetzt, um die stechenden Mücken zu fangen und unschädlich zu machen. 

 

Was für Menschen nach einem ganz normalen Plastikeimer aussieht, ist für die blutsaugenden Insekten eine täuschend echte Menschenattrappe. „Für die Stechmücke riecht und schmeckt Biogents Falle wie ein Mensch“, erklärt Markus Siegers, Vorstandsmitglied des Unternehmens. Die „Kohlensäure simuliert die menschliche Atemluft. Eine Duftstofftablette täuscht den Hautgeruch des menschlichen Körpers vor“, so Siegers. 

 

Biogents begann als kleine Ausgründung der Uni Regensburg und vertreibt ihre Stechmücken-Fangtechnik bereits seit sechs Jahren an Fachleute: Unter den Kunden des Unternehmens befinden finden sich die US-Navy, die französische Armee, die Bundeswehr, zahlreiche Gesundheitsbehörden und wissenschaftliche Institutionen auf allen Kontinenten. „Unser Produkt ist nach meinem Kenntnisstand das einzige, das einen wissenschaftlich korrekten Nachweis erbringt, die Stichrate von Mücken im Freiland signifikant und im relativen Umfang zu senken“, sagt Siegers.

 

Auch über eine mögliche Mückenplage in Berg haben sich die Forscher von Biogents Gedanken gemacht. Die Entwickler der patentierten Technologie sind überzeugt, dass ihre Stechmücken- Falle mit geringem Aufwand großen Erfolg und Nutzen stiften könnte. In Berg, aber auch in anderen Gemeinden, lasse sich ein „sehr guter Effekt erreichen, wenn man die vordere Reihe der Häuser, die an die typischen Brutstätten der Stechmücken grenzen, mit Fallen ausrüstet“, meint Dr. Martin Geier, Vorstandsmitglied von Biogents und Mitentwickler von Mosquitaire Plus!. 

Test mit Rückgaberecht

 

Gemeinsam mit dem Starnberger Merkur startet Biogents eine Testaktion mit ihren Mückenfallen im Fünfseenland. Wer Interesse hat, sich an dem Projekt zu beteiligen, ist dazu eingeladen. Wer bis zum 31. Juli. eine Mückenfalle bestellt (238 Euro), kann die Anlage bis zu zwei Wochen testen. Stellt sich der erwünschte Erfolg nicht ein, kann er die Falle bis zum 20. August auf eigene Kosten zurücksenden (Datum des Poststempels zählt). Wenn die Falle unversehrt ist, erstattet Biogents den vollen Kaufpreis zurück. Allein auf den Verbrauchs- und Versandkosten bliebe der Tester in einem solchen Fall „sitzen“, das sind 35 Euro für die Kohlensäure, die über eine Rahmenkooperation von der Firma Unterbichler zur Verfügung gestellt wird und die selbst zu zahlende Rücksendung.

 

Das Einsteigersystem von Mosquitaire Plus! besteht aus einer Falle, dem Duftstoff, einem voreingestellten Druckminderer und etwa fünf Meter Gasschlauch sowie acht Meter Elektrokabel. Die Falle kann nach Angaben von Markus Siegers „von Laien in wenigen Minuten selbst aufgebaut und in Betrieb genommen werden, sofern das Handbuch aufmerksam gelesen wurde“. Eine Falle deckt ein Areal von etwa 400 Quadratmeter ab. Im Karton der Falle befindet sich das Bestellformular für die Kohlensäure. Bis zu deren Eintreffen muss mit vier bis fünf Tagen gerechnet werden. Vorausschauende Interessenten warten also nicht, bis die Plagegeister bereits im Garten angekommen sind. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.biogents.com.

 

Interessenten wenden sich an die Firma Biogents unter E-Mail markus.siegers@biogents.com Der Starnberger Merkur wird bei den Testern, sofern sie damit einverstanden sind, nachfragen, welche Erfahrungen sie mit der Falle und ihrer Wirkung gemacht haben. 

Lesen Sie den kompletten Artikel als PDF! (Quelle: Starnberger Merkur Nr 165, 20 Juli 2011 - Landkreis / Starnberger See Seite 5)